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Das zweite goldene Zeitalter des Russischen Kaiserreichs (1870-1917)

Vortrag
Francine-Dominique Liechtenhan

Donnerstag, den 25. September, 19 Uhr
Salon rouge, Institut français Wien
Sprache: Französisch, mit deutschem Powerpoint-Resümee

Dieser Vortrag findet im Rahmen des Symposiums "Die wissenschaftlichen, technologischen und finanziellen Investitionen der europäischen Staaten in Russland und die Vorzeichen des Ersten Weltkriegs", das am 26.09. im Institut français statt findet: pdfProgramm Symposium.

Die Mitverantwortung Russlands am Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist erst seit jüngster Zeit Gegenstand von Forschungen, denn sogar nach 1991 wurde diese von einer Geschichtsschreibung verheimlicht, die sich vor allem mit den Ereignissen von 1917 (die gefälscht dargestellt wurden), dem Bürgerkrieg, den ersten Jahren der UdSSR und dem Stalinismus beschäftigte.
Lange vor der Eskalation der Kriegserklärungen bekämpften sich die Großmächte erbittert auf dem russischen Boden, diesem einzigartigen Land, das über hundert ethnische Gruppen und alle großen Weltreligionen in einem Land beherbergte, das bis heute zum größten der Welt gehört.

Die Vorzeichen des aufkeimenden Konflikts äußerten sich in den wissenschaftlichen, technologischen und finanziellen Rivalitäten der zukünftigen Kriegsteilnehmer; die Auswirkungen ihrer Untersuchungen  und der Einfluss auf die Kriegsgeschehnisse sind bis heute  kaum untersucht worden. Vor dem Ersten Weltkrieg war Russland ein Eldorado für Forscher und Investoren. Als fünfte Weltmacht bot dieses Reich außergewöhnliche Möglichkeiten für die Forschung, sie waren vergleichbar mit den unendlichen Entdeckungsmöglichkeiten der Neuen Welt. Die europäischen Großmächte, auch Amerika, sahen dort Möglichkeiten, die neuesten technologischen Erkenntnisse durch den Bau von Straßen, Eisenbahnnetzen oder Wasserkraftwerken zu testen ; die Elektrifizierung des Landes führte zu einer wachsenden Industrialisierung, in der viele ausländische Unternehmer investierten und eigene Firmen gründeten.
Das russische Kaiserreich hatte sich stark nach Osten und Südosten erweitert; es bot neue, außerordentliche Forschungsaussichten. Wissenschaftler, deren Arbeiten von ihren Regierungen oder Mäzenen unterstützt wurden, konnten somit klassische Fächer wie die Geographie oder die Archäologie neu gestalten und neuere Forschungsgebiete wie die Anthropologie, die Ethnographie oder die Paläontologie fördern. Ihre Publikationen trugen zu einer besseren Kenntnis des Landes und der Mentalitäten bei. Durch diese Kenntnisse war es möglich, die Rolle Russlands im bevorstehenden Konflikt, an dessen Ausbruch niemand zweifelte, einzuschätzen. Die Verbreitung und der Wissenstransfer wurden auch durch die Weltausstellungen und die Ausstellungen in Ekaterinburg (1886) und Nischni Nowgorod (1892) gefördert.
Die Blockbildung in Europa intensivierte dieses gesteigerte Interesse am Osten; nach der französisch-russischen Freundschaft kam es zur Triple Entente mit Großbritannien. Die Deutschen, Österreicher und Italiener unterzeichneten den Dreibund, an den sich das Osmanische Reich anschloss. Die Verknüpfungen zwischen finanziellen Interessen, wissenschaftlicher Forschung, Erkundung des riesigen russischen Reiches und deren Verbindung mit dem Ersten Weltkrieg sind zurzeit noch unerforscht. Die Präsenz ausländischer Ingenieure, Investoren und Forscher, ihre Kenntnisse über das Land durch vielfältige Expeditionen hatten einen wesentlichen Einfluss auf die Verbesserung der Infrastruktur in Russland und dessen Bereitschaft, am Ausbruch des Konflikts durch eine allgemeine Mobilisierung mitzuwirken.

Conf  Liechtenhan  25 09 14Francine-Dominique Liechtenhan ist Forschungsdirektorin am französischen nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Centre Roland Mousnier, CNRS, Université Paris-Sorbonne). Sie unterrichtet russische Geschichte an der Universität Paris-Sorbonne und europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts am Katholischen Institut in Paris.
Ihre lange Publikationsliste ist auf  der Website des Centre Roland Mousnier veröffentlicht ; sie hat, unter anderem, folgende Werke geschrieben : La Russie entre en Europe ; Elisabeth Ire et la guerre de Succession d'Autriche, CNRS Editions, 1997 (Eugène Colas-Preis der französischen Akademie, auf russisch übersetzt) Le Grand pillage ; du butin des nazis aux trophées des Soviétiques, Ed. Ouest- France, Mémorial, 1998 ;  Les Trois christianismes et la Russie ; les voyageurs occidentaux face à l’Eglise russe (XVe-XVIIIe siècle), CNRS-Editions, 2002 ; Elisabeth de Russie (1709-1762), l’autre impératrice, Fayard, 2007 (Auguste Gérard-Preis der franzöischen Akademie der Wissenschaften, auf russisch übersetzt), Pierre le Grand, Kronos, éd. SPM, 2011 ; Le Crépuscule des Empereurs,  la fin des grandes dynasties européennes, Ouest-France, 2012 ; mit E. Le Roy Ladurie, Le Siècle des Platter, t. II, et t. III, Voyages de Thomas Platter II, Fayard, 2000 et 2005 (ins portugiesische und holländische übersetzt). Für ihre Veröffentlichungen über Russland hat sie 2009 den Dmitri Likhatchev-Preis (St.-Petersburg) erhalten und wurde 2011 korrespondierendes Mitglied der Akademie des Wissenschaften von Caen.

 

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