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Von der Biodiversität zur Bionik

Vortrag
Gilles Boeuf

Mittwoch, den 01. April, 18:30 Uhr
Naturhistorisches Museum Wien, Vortragssaal

Sprache: Französisch mit Simultanübersetzung

pdfEröffnungsvortrag der Reihe « Bionik: Die Natur als Inspiration für dieTechnik »

Die Biodiversität ist ein lebender Teil der Natur und kann definiert werden als die Gesamtheit aller Beziehungen zwischen den Lebewesen, zwischen ihnen und mit ihrer Umwelt. Sie kann auf keinen Fall mit einem einfachen Katalog oder einer Artenliste in einem bestimmten Milieu verglichen werden.

Heutzutage kennen wir etwas mehr als 2 Millionen Arten, die in den Naturhistorischen Museen beschrieben und ausgestellt sind. Und zwar sprechen wir hier von allen Organismen, Viren, Bakterien, Protozoen, Pilzen, Pflanzen und Tieren, und wir glauben, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt. Diese Arten haben sich mit ihren umweltspezifischen Einschränkungen seit dem Entstehen in mehr oder minder komplexen Ökosystemen organisiert. Die Wechselbeziehungen zwischen den Organismen und ihre Beziehungen mit dem Milieu bestimmen das Funktionieren und die Funktionalität dieser Ökosysteme und im weiteren Sinne die « Dienstleistungen », die die Menschen daraus ziehen können.
1997 kommt in den Vereinigten Staaten ein Buch heraus, geschrieben von  Janine M. Benyus, mit dem Titel : « Biomimicry, innovation inspired by nature ». Dieses Werk wird von nun an die Ansätze strukturieren, die schon seit sehr langer Zeit begonnen, aber nie richtig organisiert wurden. Denn schrieb nicht schon Leonardo da Vinci im 16. Jahrhundert : «…lasst euch von der Natur lehren, hier liegt unsere Zukunft… » !
Die Bionik  ist ein Forschungsansatz, der darin besteht, die Natur in all ihren Formen zu studieren, Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen und Ökosysteme und daraus technische Entwicklungen zu gewinnen : man inspiriert sich also, um innovative Materialien, Verfahren oder Strategien im Dienste des Menschen zu finden, die umweltfreundlicher, energiesparender, recycelbar und sicherer sind, bessere Qualität haben und weniger kosten.
Die Bionik, die die lebende Welt als Untersuchungsmaterial nimmt, überträgt durch Abstraktion analysierte biologische Modelle in technische Konzepte oder industrielle Entwicklungen. Es handelt sich hier also durch Konstruktion um einen interdisziplinären Vorgang, bei dem Grundlagenwissenschaften und Ingenieurwissenschaften gefragt sind.  Diese Vorgehensweise ist keineswegs eine neue Wissenschaft oder eine neue Disziplin, sondern vielmehr eine Methode oder besser gesagt ein transversaler Ansatz, ja sogar eine « Philosophie », die in vielen wissenschaftlichen und technischen Bereichen eingesetzt werden kann und die « Antworten » auf unsere aktuellen Bedürfnisse geben kann. Das Potential, das von der natürlichen Umwelt angeboten wird, ist riesengroß. Die außergewöhnliche Vielfalt, die für sie charakteristisch ist, macht aus ihr ein einzigartiges Reservoir an Ideen für unsere Forscher und Ingenieure.  
Zahlreiche neue Errungenschaften auf dem Gebiet der Energie, der grünen Chemie, der Beseitigung der Umweltverschmutzung, des Abfallrecycling, der Materialien, des Transportwesens, der Architektur, der Landwirtschaft … oder unseres alltäglichen Lebens werden hier vorgestellt. Die biomimetische Vorgangsweise in Forschung und Entwicklung setzt voraus, dass wir uns die lebende Welt wieder aneignen und dass wir uns von den Formen, Beziehungen, Materialien und Mechanismen inspirieren, die uns ihr « Genius » bietet. Es ist eine Vorgehensweise, die Demut, Teilen und Respekt erfordert, Werte, ohne die die Zukunft der Menschheit recht düster ist.

Conf G Boeuf 01 04 15Gilles Boeuf ist Professor an der Universität Pierre et Marie Curie (UPMC), der die Forschungsstelle « Observatoire Océanologique de Banyuls » angeschlossen ist, wo er seine Forschungen im Forschungszentrum « integrative Biologie der Meeresorganismen » entwickelt.  Er ist Präsident des Muséum national d’Histoire naturelle (MNHN). Er hatte am Collège de France als Gastprofessor den Lehrstuhl « nachhaltige Entwicklung, Energie, Umwelt und Gesellschaft » inne. Im Universitätsjahr 2013-2014 lag der Unterrichtsschwerpunkt auf dem Thema « Biodiversität und ihre Überkreuzungen mit der Menschheit ».
Er ist auch Präsident des Wissenschaftsrates der CIRAD, der Umweltkommission der Fondation de France, des Wissenschaftsrates von Agropolis International in Montpellier, des Exzellenzzentrums für Forstentomologie der ONF-OPIE und des Naturschutzgebietes des  Massane, in den östlichen Pyrenäen. Weiters ist er Mitglied des Wissenschaftrates für Naturkulturgut und Biodiversität beim Ministerium für Ökologie, Nachhaltige Entwicklung und Energie, Mitglied des Verwaltungsrats von Aires Marines Protégées und der Vereinigung « Humanität und Biodiversität », Mitglied des Fachausschusses des Wissenschaftszentrums von Monaco sowie Mitglied des Büros für Intergovernmental  Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES.) Er ist Mitglied der französischen Unesco-Kommission und Ordensträger der französischen Ehrenlegion und des französischen Verdienstordens (chevalier de l’Ordre National de la Légion d’Honneur et de l’Ordre National du Mérite).
Prof. Gilles Boeuf ist ein Experte für Umweltphysiologie und Biodiversität (für Wasser und Land). Er hat sich auch viel mit den biologischen Grundlagen der Aquakultur beschäftigt. Er ist Autor von mehr als 400 wissenschaftlichen Artikeln (>150 vom Rang A), von populärwissenschaftlichen Artikeln, Buchkapiteln und Vorträgen und wird häufig in Frankreich und im Ausland eingeladen.
Er hat mehr als 100 Dienstreisen ins Ausland in ca. 40 Länder gemacht. Weiters hat er unzählige öffentliche Vorträge gehalten : in Körperschaften, großen Institutionen oder Unternehmen, hauptsächlich über das Leben in den Ozeanen, lebende Ressourcen, die Rolle des Wassers  bei Lebewesen und über die Biodiversität.
Er hat u.a. in Büchern oder Buchkapiteln veröffentlicht, wie z.B. The Mediterranean Region, biodiversity in space and time bei Oxford University Press 2010,  Welche Erde lassen wir unseren Kindern zurück? « Die Anfänge der Umwelt», bei Fayard, 2010, Water, a key molecule for living, water in metabolism and biodiversity, in “Water: the forgotten molecule”, bei Pan Stanford Publishing, 2011, Mitherausgeber von « Kann der Mensch sich an sich selbst anpassen? », bei Quae, 2012, Biodiversität in der maritimen Umwelt, bei Quae 2013; er hat das erste Kapitel des Buches “Anfälligkeit des ozeanischen Systems” bei Hermés ISTE und « Biodiversity in the Marine Environment » bei Springer 2014 geschrieben. Seine Eröffnungsvorlesung im  Collège de France, « Biodiversité, de l’océan à la Cité » wurde im Mai 2014 bei Fayard veröffentlicht.

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