Drucken

Geschichte

A/ Geschichte des Institut français de Vienne

1/ 1926 – 1936 : Vom « Studienzentrum zum Institut »

1926 wird ein « Zentrum für französische Hochschulstudien in Wien » gegründet, das in einer Wohnung in der Bäckerstraße 13, im 1. Bezirk, eingerichtet wird. Marcel Dunan eröffnet diese Einrichtung und leitet es bis 1931. Paris beauftragt drei „chargés de mission“.  Die untergebrachten Studenten beenden ihr Studium und führen gleichzeitig vor Ort Forschungen für ihre Doktorarbeit durch.  

Am 1. Dezember 1931 eröffnet das Institut français de Vienne - wie es jetzt genannt wird - seine Pforten in der Schottengasse 1 (derzeit Bank Austria). Es ist direkt an die Sorbonne angeschlossen und wird von Louis Réau geleitet, der seinen Platz 1939 an Eugène Susini abgibt. Die Aufgaben lauten wie folgt (Auszug aus den Statuten) :

1.    den Studenten und dem kulturinteressierten Wiener Publikum die Möglichkeit geben, gewisse Aspekte der französischen Literatur, Landeskunde und des Alltagslebens zu studieren, die nicht an der Universität unterrichtet werden ;
2.    für die französischen Gelehrten und Studenten ein ständiges Studienzentrum über österreichische Geschichte, Literatur und Kunst schaffen ;
3.    allgemein mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln (Vorträge, Ausstellungen, Konzerte) die intellektuellen und künstlerischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich entwickeln.

2/  1936 – 1939 : in den Wirren der Geschichte

1936 wird das Statut des Instituts durch das französisch-österreichische Kulturabkommen vom 2. April bestätigt. Aber 1938, nach dem Anschluss (März), vertritt das Naziregime die Meinung, dass das Institut keine gesetzliche Grundlage mehr habe. Letzteres schließt seine Pforten… und öffnet sie wieder im Oktober, ohne jedoch Aktivitäten anzubieten. Im Jahr darauf gelingt dem Institut ein neuer Aufschwung. Ein Programm für Sommerkurse wird angeboten, «Teestunden» werden organisiert, um mit den Stammkunden wieder Kontakt aufzunehmen… Diese Belebung der Kulturveranstaltungen mißfällt den Behörden, die Anfang April einen französischen Lektor mit Schweizer Staatsbürgerschaft an der Universität Wien ernennen und einen französisch-deutschen Cercle gründen, der dem Institut Konkurrenz macht…
Verhandlungen finden im Sommer 1939 statt, aber es gibt keinen Kulturstart mehr im Herbst: der zweite Weltkrieg bricht Anfang September aus.

3/ 1947 : Die Wiedergeburt des Kulturinstituts

1947 : Das Kulturinstitut öffnet am 10. November 1947 wieder seine Pforten. Es wird von Eugène Susini geleitet (bereits Direktor seit 1939), der bis 1958 an seiner Spitze bleibt. Es ist im Palais Lobkowitz untergebracht (Sitz der Französischen Botschaft vor dem ersten Weltkrieg).
1981 übersiedelt das Kulturinstitut in das schöne Palais Clam-Gallas, 1834 erbaut und seit 1952 im Besitz der französischen Republik, die es der Familie Clam-Gallas abgekauft hat.  

Quellen :
Porpaczy, Barbara : Von der Selbstdarstellung zum Kulturaustausch, in: Thomas Angerer/Jacques Le Rider: „Ein Frühling, dem kein Sommer folgte“, Französisch-österreichische Kulturtransfers seit 1945“, Wien 1999, S. 119 – 136.

Casset, Jean-Michel: Aux origines de l’Institut Français de Vienne (1925-1931), in : Österreichisch-französisches Jahrbuch I (1984), S. 16-27

Bosquelle, Dominique : L’Institut Français de Vienne entre Anschluss et déclaration de guerre. Une correspondance, in : Cahiers d’Études Germaniques Nr. 25 (1993), S. 229-281.

 

B/ Geschichte des Palais Clam Gallas

1) Die Liegenschaft

Der Grund, auf welchem sich heute das Palais Clam Gallas befindet, erwarb 1690 der Reichsfürst Ferdinand-Josef Dietrichstein. Die „Lange Gasse“ bildete die Grenze zum Fürstlich-Liechtenstein’schen Grund. Den Park im englischem Stile, den Graf Karl Dietrichstein schaffen ließ, hielt man im 19ten Jahrhundert für eine der größten und schönsten Anlagen in Wien. Die Gastwirtschaft „Zum goldenen Engel“, die seit Beginn des 18ten Jahrhunderts existierte und in Höhe des aktuellen Zugangs zu der Währinger Straße an den Park angrenzte, schätzten die Wiener vor allem wegen der Schönheit ihres Gartensalons. Die Dietrichstein erwarben dieses Gebäude 1830.

1834 vertraute Reichsfürst Franz-Josef Dietrichstein dem Architekten Heinrich Koch den Bau eines Sommersitzes (das gegenwärtige Palais Clam-Gallas) an, welcher bereits 1835 fertiggestellt wurde.

Durch die Heirat des Grafen Eduard Clam-Gallas im Jahre 1850 mit der Gräfin Clotilde Dietrichstein, Enkelin des Reichsfürsten Franz-Josef Dietrichstein, fiel das Palais in den Besitz der Clam-Gallas. Von diesen erwarb ihn der französische Staat 1952.

B/ Das Gebäude

Die schlichte und elegante Architektur des Palais Dietrichstein-Clam-Gallas zeugt weniger von Monumentalität oder Repräsentanz, sie soll vielmehr Intimität und Behaglichkeit vermitteln. Die Flügel, welche je 5 Joche aufweisen, ähneln den Bauten des Biedermeiers. Die großen Fenster des Mittelbaus, umgeben von breiten Pilastern, verleihen dem Bau eine Transparenz und Leichtigkeit, welche der ionische Stil des Peristyles betont.

In kunsthistorischer Hinsicht ist bei diesem Bau vor allem der Verzicht auf die strenge Bauweise der Klassik bemerkenswert. Gemäß Rupert Feuchtmüller („Kunst in Österreich“) wiegt hier das ästhetische Ansinnen stärker als die Referenz an das Altertum. Die Rückfassade veranschaulicht dieses Ansinnen vielleicht noch schöner.